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Kategorie-Archiv: office charts

OFFICE CHART WINTER (II) 20

Was wir diesen Monat im Büro hören

Mac Miller — Circles

Ich habe vor vielen Jahren mal begründen müssen, warum ich Gesang in einem bestimmten Musik-Zusammenhang ablehne, später hab ich das auf fast alle Zusammenhänge ausgeweitet. Die Beats und alle daran angedockten Mikrokosmen waren einfach fulminanter, maschinen-gemachte Schäbigkeiten willkommen, und alle Virtuosität aus menschlicher Kehle war eine Idee wie aus dem 19ten Jahrhundert: man roch förmlich die Bühnen-Schminke und hörte das Rascheln der Rokoko-Kleider auf der Suche nach dem hohen C. Aber dann kamen erst Thom Yorke und jetzt Mac Miller durch die Tür und haben mich daran erinnert, warum eben doch die Stimme als Botenstoff für Emotion erlaubt sein darf, wie jedes andere Instrument auch. Sie muss nur so klingen wie sich dieser Moment kurz vor dem Aufprall anfühlt, bei dem eine fremde Macht dafür sorgt dass der Sturz unmittelbar vor dem Boden endet und einen ein seidener Faden unsichtbar in der Schwebe hält und wieder aufrichtet, ohne dass die Füße dabei den Boden berühren müssen. Alles in Zeitlupe, versteht sich. Das gelingt herzerwärmend bei Hands, und niederschmetternd bei I Can See oder Once a Day.

I spent the whole day in my head / do a little spring cleanin / I’m always too busy dreamin, und genauso ist es ja auch, bekanntlich gibt es Jahrhunderte, da bleibt man besser im Bett. Mac Miller ist aus seinem nicht mehr aufgestanden, seine Familie hat das Album jetzt posthum veröffentlicht, sein Produzent die angefangenen Songs fertig gemischt und schönstens in Form gebracht. Circles, hier in ganzer Länge zu hören, ist wie die noch warme Decke eines Freundes, der gerade erst durch die Tür verschwunden ist, einem Phantom, dass nie wiederkehren wird, Aber wer sich darin einwickelt, dem wird es da draussen auch nie wirklich zu kalt werden.

Außerdem läuft:

Mac Miller – Nikes on my Feet

Lyle Mays (+) – Close to Home

Leon Vynehall – Midnight on Rainbow Road (hier auch mit Beat)

Chaos in the CBD – Midnight in Peckham

Billie Eilish – No Time To Die

Bee Gees – Living Eyes

Seeed – Aufstehn

Rammstein – Diamant

Lindemann feat. Haftbefehl – Mathematik

Jon Hopkins & Kelly Lee Owens – Luminous Spaces (Edit)

Tarek KIZ – Ticket hier raus

Goldroger — Potion

Kummer feat. Max Raabe – Der Rest meines Lebens

Trentemøller – Never Fade

alt-J – Hunger of the Pine (MOTSA Re-Groove)

Kings of Convenience — The Weight of my Words (Four Tet Remix)

Cleo Sol – Butterfly

Father John Misty – Hollywood Forever Cemetery Sings

PNL – A l’Ammoniaque

OrelSan – Tout va bien

Underworld – Banstyle/Sappys Curry (Remastered)

Pixies – Havalina

Dylan Thomas – Better Oblivion Community Center

Nino Rota — Tre Passi nel Delirio (Toby Dammit)

Mac Miller – Come back to Earth

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OFFICE CHART WINTER 20

Was wir diesen Monat im Büro hören

Lana Del Rey — Norman f*****g Rockwell!

Ich habe schon gar keine Lust mehr auf ein Lob der Oberfläche, und Lana Del Rey ist ja auch nur ein Beispiel, aber da draussen plappern zuviele tagein, tagaus immer noch den gleichen hohlen Quatsch nach, den ihnen die elitär-steilen, von keiner persönlichen Tiefen-Erfahrung getrübten Pressesprecher des angeblich „Echten“ wieder und wieder diktieren, Authentizität als Wert an sich, irgend so ein Blut-Schweiß-und-Tränen Ding, anstatt endlich zu begreifen, dass Pop unvollständig ist, wenn ihm eines der Elemente fehlt, das Bild, die Idee, der Text, das Geräusch, das Körpergefühl, die Erinnerung, die Euphorie, das Make Up und das Senden und Empfangen dieser ganzen Zusammenhänge, dass es da beim „ausdrucksstarken“ Schrammel-Blues auf einem Kneipenhocker nicht soviel zu holen gibt und dass nichts gewonnen ist, nur weil ein Shirt ordnungsgemäss durchgeschwitzt wurde und ein Instrumentalist erst dann scheinbar alles gegeben hat, wenn man die Virtuosität, die sich stundenlangem Üben von Tonleitern in fernen Kindertagen verdankt, stets zwischen den Zeilen mitschwingen hört, vorher gilt es nicht, und so sprach neulich schon wieder einer, bei Ego FM, die Sendung heisst „Die Vermessung der Musik“, aber der Moderator vermaß nur ganz kurz und wenig und verglich eine israelische Sängerin (Name vergessen) zunächst mit Lana Del Rey, aber dann eben doch nicht, denn die sei ja „nur ein Produkt“, und man steht in der Küche und denkt sich „Was denn sonst, Du F*****kobold?“, und dass „keine Inszenierung“ die banalste und blutleerste Inszenierung von allen ist, es kommt eben immer noch drauf an, wie die Künstlerin die ganzen Koordinaten dieser artifiziellen Kosmen organisiert, arrangiert und präsentiert, die Videos mit den fiberglasigen Alligatoren im Pool, das kalifornische Ding, geboren aus dem Klima, der Gischt und der (untergehenden) Sonne, mit graubärtigen Männern, die Lana auf der Harley mitnehmen, ihre Girls auf der Pritsche des Pick-Ups, gefilmt in dieser verwaschenen Super-8-Optik, die früher einfach Vintage war, dann völlig uncool, heute wieder schön, ich will sie sehen wie sie mit The Weeknd auf dem Hollywood-Sign herumtanzt, dieses ganze unschuldig unentschiedene Mädchending, zwischen Lolita-Smile, Boyfriend-Style und Spritzbesteck, das nur funktioniert, weil diese Stimme so stilsicher zwischen Kunst und Kitsch unterscheidet und so haarscharf an der Kante zum leiernden Gelangweiltsein herumbalanciert, ohne je abzurutschen, dabei sprachlich immer die attraktivsten Bilder entwirft, Oh God, miss you on my Lips / It’s me, your Little Venice Bitch, Will you still love me when I’m no longer young and beautiful?, I’m in Love with a Dying Man, You’re so Art Deco, es geht um dunkle Paradiese und 13 Strände, von denen erst der letzte menschenleer war, um Videogames und Ultraviolence, und wer Elisabeth Grant hinter diesen Dutzenden von Codes, Splittern und schönen Fassaden tatsächlich ist, geht nur ihre Familie und ihre nächste Umgebung etwas an und interessiert mich also einen fetten Scheiss. Welchen Mehrwert dagegen irgendeine Illusion von Authentischem haben soll, wird mir hoffentlich für immer ein Rätsel bleiben.

Zum aktuellen Album ist noch zu sagen: Es gibt nichts Neues in diesem Kosmos, Gott sei‘s gedankt. Nur die wiederholte Verstofflichung dieses einmaligen Klangbildes in diese eine Substanz, die Del Rey selbst mal als Songtitel gewählt hat, giftig und gefährlich, und dann wird man auch noch abhängig davon: f*****g Heroin. Was für ein schönes Produkt diese Platte ist, ich kann mich kaum sattfühlen daran.

Außerdem läuft:

Digitalism – Wish I was There

Dagobert – Du und Ich

Goldroger — Halt

Trettmann — Das hätten wir sein können

PNL – Au DD

OrelSan – Basique

EOB (Ed O’Brien) – Brasil

Element of Crime — Wenn der Morgen graut

Wolf Mountains – Coyote

Radiohead – Ill Wind (Version)

Tame Impala – It Might Be Time

Goldroger – Lavalampe Lazer

The Lumineers – My Cell

Frank Ocean – Moon River

Lomepal – Yusuf

Yves Montand – Battling Joe

Françoise Hardy & Iggy Pop – I’ll be seeing you

Iggy Pop – Les Feuilles Mortes (Live @ France Inter)

Thom Yorke – Last I Heard (… He was circling the Drain)

Nick Cave and the Bad Seeds – Ghosteen (Global Premiere)

Vicky Leandros – Ich liebe das Leben

Digitalism – Infinity

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OFFICE CHART SOMMER 19

Was wir diesen Monat im Büro hören

Elliott Smith — Heaven adores you Soundtrack

Morbide Kinderspiele: alle Möglichkeiten aufzulisten, mit denen ein Mensch wohl Selbstmord begehen könnte. Einen Bauchgürtel in die Luft jagen, bestückt mit einer Jahresproduktion an Silvesterknallern? Großes Gelächter. Vom obersten Stock des Hauses direkt in einen Swimmingpool voller Todesquallen springen? Na klar, geht. Eine der Möglichkeiten war dabei immer ausgeschlossen – sich selbst zu erstechen, das schien kaum möglich. Kein Mensch würde je so etwas schaffen, da waren sich alle einig. Es flog aus der Liste.

Der Zufall, diesmal in Form eines Tippfehlers, hat mir vor zwei Wochen Elliott Smith aus den mittleren Tiefen der Festplatte zurück ins Büro gespült und dann nicht mehr aus der Tür gelassen. Heaven adores you ist der Soundtrack zu einem Dokumentarfilm über Smith, der Teil des Albums, den ich damals heruntergeladen hatte, ist gerade mal 16 Minuten lang, kannte nur fünf Stücke, von denen vier sogar ohne Gesang ausgekommen sind (komplett ist es eine Stunde länger). Keines der Stücke ähnelt den Liedern, für die Smith zunächst eine kleine, innig liebende Gemeinde (Portland/Oregon), später eine sehr viel größere hinter sich versammeln konnte (Brooklyn/Los Angeles/und damit überall).

Kein Needle in the Hay, das Johnny Depp einen ganzen Spielfilm-Dreh lang im Kopf herumgeisterte, wie er mal auf der Bühne erzählte; kein Between the Bars, von dem Madonna in einem Interview sagte, sie träume manchmal, sie hätte es selbst geschrieben; keine Miss Misery, die im Abspann von „Good Will Hunting“ zu hören war, was dem Lied eine Oscar-Nominierung und dem depressiv-multitoxomanen Interpreten einen Live-Auftritt bei der Verleihung bescherte, den er sogar unfallfrei und im Stehen über die Bühne brachte.

Dafür bekommt man hier Fragmente und Demos, die so klingen als wären sie am Lagerfeuer improvisiert (oder zumindest in einer Lagerhalle an einem Feuer) – eine Gitarrenübung, Untitled Guitar Finger Picking, wie ersonnen von einem begabten Musikschüler, zwei instrumentale Etüden, einen von mehreren Walzern (Waltz #1), in der längeren Version auch ein paar unveröffentlichte Live-Auftritte. Das klingt trotz einer fast kindlichen Leichtigkeit als wären diese Stücke schon bei der Entstehung direkt in Beton gegossen worden – mit großen Luftblasen darin, an denen aber auch sein Blut klebt.

Im Oktober 2003 hat sich Elliott Smith selbst erstochen, zweimal hintereinander sogar. Die Polizei konnte das auch nicht glauben und untersuchte den Fall, man einigte sich später auf die Todesursache „nicht feststellbar“, damit ist es bis heute kein Suizid. Aber wie jeder Tatortreiniger weiß, bleibt nach der Entfernung der Blutlache immer noch ein Schatten auf dem hellen Teppich zurück, und damit auch über Elliott Smith‘ Musik, die davon allerdings nichts weiß und deshalb auch weiterhin gut mit diesem Schatten wird weiterleben können.

Außerdem läuft:

Trettmann – Intro

Wanda – Ciao Baby

Lana Del Rey – Doin‘ Time

Jan Blomqvist – Synth for the Devil

Bilderbuch – Mein Herz bricht

Frittenbude – Die Dunkelheit darf niemals siegen (feat. Jörkk Mechenbier)

Die Höchste Eisenbahn – Kinder der Angst

Apparat – Heroist

Coma – Sum

Sufjan Stevens – Chicago

Talking Heads – This must be the Place (Naive Melody) (2005 Remaster)

Nico – The Fairest of the Seasons

The Black Dog – Ghost Vexations

Benjamin Biolay – Des lendemains qui chantent

Roman Flügel – 9 Years (DJ Koze Remix)

Sensorama – Harz (Born Under A Rhyming Planet Remix)

Elliott Smith – Angeles

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OFFICE CHART JANUAR

Was wir diesen Monat im Büro hören

Thom Yorke — Suspiria OST

Ohne genau zu wissen warum, bin ich diesem Album ausgewichen, habe es links liegen lassen, ignoriert, auch den Film dazu wollte ich nicht sehen. Ich kannte das Original, ein fürchterlicher Hexensabbat, immerhin von Dario Argento, den Nerds gut fanden, ich vielleicht heute auch. Aber nur wegen Tilda Swinton in der Nebenrolle eines Remakes ins Kino gehen? Man findet ja doch keinen Parkplatz, so Robert Mitchum in einem seiner schlecht gelaunten Interviews.

Und natürlich ging es darum nicht. Sondern um die Mühsal der Fragen, die sich immer wieder stellen, wenn das Mitglied einer als besonders homogen gefühlten Band (Rammstein, Depeche Mode, Tocotronic oder hier eben Radiohead) ausweicht und ein Solo-Projekt, besser: ein Soloalbum veröffentlicht. Was wird zu hören sein? Etwas, womit die Anderen in der Band nicht genug anfangen konnten? Der Beleg dafür, dass es die Anderen nicht braucht um gleichermaßen fantastische Musik zu produzieren, und wofür hat man sie dann eigentlich überhaupt in einer, in seiner Band? Oder es ist umgekehrt der Sänger, der allein gar nicht wirklich gebraucht wird. Offenbar fehlt etwas. Womöglich ist es auch die unbändige Lust, als Musiker immer weiter an allem herum zu schrauben, weil es gerade in der Luft liegt, aber die Anderen schon Feierabend machen und auf dem Weg zu ihren Familien sind. (Nach den vielen Jahren, in denen eine Band erst homogen zu werden beginnt, haben die meisten ja tatsächlich Familien, was einen Teil dieser unerklärlichen Einheit erklären könnte.)

Von Thom Yorke habe ich schon unerhört Schönes gehört, aber auch schon einiges, bei dem schlichtweg die anderen Mitglieder seiner Band zu fehlen schienen. Diese Soloplatten erzählen über Umwege einiges, woran man die Funktion des einzelnen Musikers innerhalb eines Bandgefüges festmachen und sie verstehen könnte, wenn es nur nicht so theoretisch, womöglich ständig im Wandel und im Prinzip scheissegal wäre. Weil bei einer Band, deren Stärke dieser unendlich souveräne Umgang mit allem ist, worüber sich der Außenstehende lustig machen könnte, eine eigene Dynamik gewinnt, dabei aber in ihrer Summe rätselhaft bleibt, zumindest mir, auch wenn man die einzelnen Teile dieser Dynamik erklären könnte. Ich rede hier von Radiohead.

Das Ignorieren hat nichts genutzt, Thom Yorkes Soundtrack ist fabelhaft, mit oder ohne Film und mit oder ohne Mitstreiter, und die Ballade Suspirium ist so unendlich weit wie der Himmel, zumindest passt sie gerade so in den jeweiligen Raum, in dem sie gerade läuft, mit diesem perlenden Klavier und dieser Stimme, die einen heulen lässt, wenn man nicht aufpasst. Zum Glück habe ich doch reingehört, ohne dabei zuviel nachzudenken.

Außerdem:

Radiohead – True Love Waits (Band Version)

Thom, Jonny and a CR78 – Radiohead: The Numbers

Thom, Jonny and a CR78 – Radiohead: Present Tense

Jonny Greenwood – House of Woodcock (Phantom Thread OST)

Jonny Greenwood – Tree Strings (You Were Never Really Here OST)

Atoms For Peace – Rabbit in your Headlight

Thom Yorke – Youwouldn’tlikemewheni’mangry

Thom Yorke – Analyse (Live at Mercury Music Award)

Thom Yorke – Ingenue (Live at Jonathan Ross Show)

Thom Yorke & Nigel Godrich – Nose Grows Some (Live at Club 2 Club Turin)

Thom Yorke – Unmade

Radiohead – Weird Fishes (by Tobias Stretch)

Atoms For Peace – Before Your Very Eyes

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OFFICE CHART NOVEMBER

Was wir diesen Monat im Büro hören

Goldroger – Avrakadavra

Goldroger: Weitersagen! Fabelhafter super smoother Schnuffibär! Derbe Dope, sein Sound! „Der Basti“, mit Angler-Hut, das Herz schlägt links, Gymnasial-Rapper! (Klingt das so nett, wie es soll?) Aber mal kurz den Hut ab: das ist so betörend und zwingend alles, die textlichen Kaskaden so frei, inhaltlich zwischen grad-erst-passiert und kenne-ich-schon-lange, nichts stolpert, kein Ton ist falsch, obwohl es deutscher Rap ist. Schön, in welchen Kosmen sich das bewegt, wenn es personell flirrt zwischen Thomas Mann, Sgt. Pfeffer und einem „Rektor“, der ernsthaft noch eine dämonische Bezugsperson abgibt (Produktion: Dienst & Schulter, die in Sachen Melodien und Beats diesen Jazz haben, den man nicht lernen kann). Was alle sagen: Wieso kenn‘ ich das nicht? Und wieso kennen den nicht viel mehr? Wieso hat der nur vierstellige Lumpen-Klicks bei YouTube und ist auf Spotify ein Phantom, sind die alle irre? Das sagen sie, und es bleibt tatsächlich ein schlimmes Marketing-Rätsel.

Ein bisschen Radio gab es für Perwoll, (über das man aber nichts schreiben kann, wenn man sich auf so unheimliche Weise davon angefasst fühlt wie ich), und wer MK Ultra widerstehen kann, oder Sieben Meilen, der ist ein mindestens unaufmerksamer Mensch und fällt auch auf Schein-Debatten um definierte Auschwitz-Insassen rein. Wenn aber das Herumgebrülle immer wieder nur das tut, was es soll, nämlich Aufmerksamkeit erregen ohne ernst gemeint zu sein, dann haben Farid und Co eben die fetteren Klickzahlen. Wer das weder will noch braucht, wird dafür selig bei Goldroger und seiner Crew. (Semi-magisch auch die Serie Live aus der Leere auf YouTube, mit transirdischen Live-Versionen, Mensch versus Gitarre.) Jeder erzählt ihn weiter, wenn er ihn ein paar mal gehört hat, oder wenn er es mag, dass auf „Molière“ nicht nur „Baudelaire“, sondern auch noch „au contraire“ folgt (M.I.D.A.$.). Das Album ist jetzt fast auf die Woche genau zwei Jahre alt, und es hat sich auch grad erst auf meinen Schoß gesetzt. Also Weitersagen, Himmelherrgott. Im Namen des Pop! Love and Peace allerseits.

Außerdem:

Neil Young – Bad Fog of Loneliness (Live at Massey Hall 1971)

50 Cent – In Da Club (Remix) feat. 2Pac (New 2015)

Wanda – Gemeinsam Rosarot

Grizzly Bear – Ready, Able

Kelly Moran – Helix

Leon Vynehall – Movements (Chapter III)

Helena Hauff – Hyper-Intelligent Genetically Enriched Cyborg

Chilly Gonzales – The Traveller

Max Herre – Berlin-Tel Aviv (Instrumental)

Jeannel – Mind Tricks

Rüfüs Du Sol – Underwater

Nils Frahm – Says (Live on KEXP)

Aphex Twin – T69 Collapse

Gold Roger – Räuberleiter

Goldroger – Friede den Hütten (Ben Bada Boom Remix)

The Cure (featuring James McCartney) – Hello Goodbye (Studio Session)

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OFFICE CHART FRÜHLING

Was wir in diesen Monaten im Büro hören

477F3E59-3341-4156-9740-3BF61CAC1D0AYung Hurn – 1220

„Baby, ich hab‘ Pillen und so“ – Keine drei Minuten im Auto, schon der erste Beinah-Unfall auf dem Weg zum Lautstärkeregler: endlich Musik, die sich kein Erwachsener mit flankierendem Business-Plan ausgedacht haben kann. Eher so, dass Mutti und Vati das unbedingt hassen werden, aber das passt natürlich so. Cloud Rap überhaupt: Eine Art HipHop auf Zeitlupe, was weniger an den Beats liegt, fast alle Stücke fangen wie eine majestätische Soulballade an um sich sogleich in dieser Verheißung wieder zu verheddern, spätestens wenn das sedierte Autotune-Genuschel anfängt – drogeninduziert und damit von einem dermassen existentiellen Ennui getragen, dass Yung Hurn vor lauter Gleichgültigkeit kaum die Zähne auseinander kriegt. Bei ihm ist das auch noch österreichisch gefärbt, ein per se schon äusserst müder Dialekt, mit dem man aber definitiv die geschmeidigsten Schnitten in die Kiste zu kriegen scheint, vorausgesetzt man hat Pillen und so (siehe so ziemlich jedes Video). Zwischendurch blitzt allerdings eine so ans Herz gehende elektronische Illustration dieses grundlegenden Zustands auf, Hellwach zum Beispiel, dass einem dieses Herz fast übergeht, wahlweise vor Mitleid oder milder Euphorie. Wenn man Diedrich Diederichsen folgen möchte, der schon vor Jahren schrieb, man erkenne jede wichtige neue Musik daran, dass erstmal alles gleich klingt, dann hat man hier genug zu tun. Nein, Ok cool, Pillen – die Texte sind, neben einer fast beiläufigen Poesie, gelegentlich das, was man explizit nennt, man steckt wahlweise in irgendeinem Mund oder sucht gerade nach ‚was zum ziehen‘, letztlich aber doch nur nach Liebe (Bist Du alleine?, Fühlen). Am Ende sind es immer nur die selben paar Dinge, die einen den öden Kreislauf ertragen lassen, der nunmal entsteht, wenn man „deren Spiel“ nicht mitspielen will, und eigentlich auch sonst keins und so. Recht schlimm insgesamt, recht ungeeignet für Kinder, recht kurzatmig, wenn es um Fragen der Moral oder Vernunft geht. Kurzum: recht groß.

 Außerdem:

The Cinematic Orchestra – To Believe

Romare – Who Loves You?

Romare – La Petite Mort

Sascha Funke – Take a Chance with me

Beck – Lonesome Tears

Chilly Gonzales – Lana Del Rey Medley (zweistündige „Music’s Cool“ Lektion)

Alt-J – Taro

Jon Hopkins – Everything Connected

DJ Koze – Scratch That (feat. Róisin Murphy)

Ufo361 – Der Pate

Captain Beefheart – Further than we’ve gone

The The – Uncertain Smile (XL Version Live)

Das Paradies – Die Giraffe streckt sich

2Raumwohnung – Somebody lonely and me (DJ Koze Remix)

Christian Löffler – Yorck

The Smiths – Asleep (Fanvideo)

DJ Shadow – Bergschrund (feat. Nils Frahm)

Jeff Buckley – I know it’s Over

The Cure – The Last Day of Summer

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