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Kategorie-Archiv: office charts

OFFICE CHART JANUAR / FEBRUAR

Was wir diesen Monat im Büro hören

Blackstar

David Bowie – Blackstar

Das definitiv Beste an diesem Album ist, wie alles Dröhnende, Hässliche, Billige plötzlich wegschmilzt, sich klein macht und rückwärts verdrückt, wenn Blackstar läuft. Ich stand in Köln rauchend am offenen Hotelfenster, am Abend des Tages als Bowie starb, und mit dem leichten Nieselregen, der auf den Bambusgarten im Innenhof fiel, schien auch das ganze verprollte Jeckentum dieser Stadt weggespült zu werden, oder besser gesagt: sich zu ducken und abzutreten, solange nur der Titelsong aus der Mitte des Zimmers von hinten an mir vorbei ins Freie wehte. Alle überambitionierte, grell ehrgeizige, parodistische und variétéhafte Kleinkunst, von der es so unglaublich zuviel gibt und von der nicht ein einziger Weg zu Schönheit führt, hat kurz Pause und hält ihr plapperndes Mundwerk. Getroffen von der Erkenntnis, dass sie in all ihren Erscheinungen niemals auch nur annähernd soviel Welt und Geschichte und Gefühl wird legen können, wie Bowie sie kurz vorm Sterben noch in eine Dreiviertelstunde gepackt hat. Eine Dreiviertelstunde voller letzter Lieder, in der eine Art Anti-Sonne aufgeht. Ein schwarzer Stern.

Außerdem:

David Bowie – Rock’n’Roll Suicide

David Bowie – Wild is the Wind

David Bowie – Subterraneans

David Bowie – V-2 Schneider

David Bowie – The Secret Life of Arabia

David Bowie – Red Money

David Bowie – A new career in a new town

David Bowie – As the world falls down

David Bowie – I’m afraid of Americans (feat. Nine Inch Nails)

David Bowie – There is a happy Place

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OFFICE CHART MÄRZ

Was wir diesen Monat im Büro hören

Close to the Glass
The Notwist – Close to the Glass

Dass alles gerne so bleiben kann, wie es immer war, ist eine eher seltene Sehnsucht hier im Büro. Aber wenn nach Jahren ein neues Notwist-Album erscheint, dann flirrt die Aufmerksamkeit an zwei entgegengesetzten Polen gleichzeitig: Man wünscht sich ein Weisen in zwei Richtungen, in die Vergangenheit einerseits, weil praktisch alle bisherigen Alben zu geliebten Gefährten vieler Leute geworden sind, die selbst geliebte Gefährten sind. Und in die Zukunft, weil diese Alben natürlich auch genau das leisten mussten, um den beschriebenen Status zu erreichen. Wie mühelos das dem Musikkollektiv wieder gelingt, ist ebenso euphorisierend wie frustrierend. Erinnert einen die Band doch daran, dass es sehr wohl stets möglich war, ein interessantes Leben zu führen, das zu solchen Ergebnissen führt, ohne vermeidbare Kompromisse, immer im Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten. Damit erinnert sie aber auch schmerzlich an eigene Versäumnisse und Fehlentscheidungen – nicht jeder kann mit seinen Talenten auf so unspektakuläre Weise klassisch und modern zugleich reüssieren, wie dieses Album es kann. Gerade erst erschienen, wirkt Close to the Glass bereits wie eine Erinnerung aus fernen, schönen Tagen. Im Englischen gibt es dafür einen prägnanten Begriff: Instant Classic.

Außerdem:

Rain Dog – Nerves Like New Thread

Daedelus – A Mashnote

Eno Hyde – The Satellites

Underworld – De Lacey Cottage Guitar

Laurel Halo – Something I never had (Lindsay Lohan Cover)

Laurel Halo – Thaw

Karl Hyde – Cut Clouds

Oneohtrix Point Never – Boring Angel

Bibio – Down to the Sound

Metronomy – I’m Aquarius

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OFFICE CHART JANUAR / FEBRUAR

Was wir diesen Monat im Büro hören

Frederic_Robinson_Mixed_Signals
Frederic Robinson – Mixed Signals

Die Schweiz sendet gemischte Signale, und dass die erst nach ein paar Monaten gemächlich hier eingetrudelt sind, liegt ausnahmsweise mal am Empfänger und nicht am berüchtigten Volkscharakter des Senders, der im Fall Robinson im beschaulichen Basel sitzt und schraubt. Wunderschön vertüftelte Spieluhrenmusik eines 21jährigen, die, wäre sie ein Kleintier, einem verspielten Grottenolm mit gelegentlichen Adrenalinschüben recht nahe käme. Oder, wie Spin schrieb: „Beats that spatter like drops of water in a oiled pan“. Genau richtig für den unentschiedenen Übergang von feuchtblöd zu hoffentlich bald richtig kalt: Scheußliche Welt, bleib draußen! Wir lauschen lieber indoor dem geklöppelten Echo aus den Schweizer Bergen: Bimmelimbim.

Außerdem:

Jóhann Jóhannson – IBM 1401 Processing Unit

Vampire Weekend – Oxford Comma

Ólafur Arnalds – Lojso

Fever Ray – When I Grow Up (Bassnectar Remix)

Cleaners from Venus – Mercury Girl

Jon Hopkins – FACT Mix 388 (einstündiger Mix als kostenloser Download)

Robot Koch – Glassdrops

Husky – Tidal Wave

SBTRKT – I(n) M(emory) O(f)

Glitter – The Village (phänomenales Minimal Techno Live Set hier)

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OFFICE CHART NOVEMBER / DEZEMBER

Was wir diesen Monat im Büro hören
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Jon Hopkins – Immunity

Some guys have all the luck: Nicht nur dass Jon Hopkins eine der besten elektrischen Platten des ausgelaufenen Jahres gemacht hat (weniger Club- als Konzeptalbum), aussieht wie Jonny Greenwoods kleiner Bruder (also unverschämt smart) und wunderbare Soundtracks für die Filme „How I live now“ und „Monsters“ komponiert hat. Er bekommt auch noch erstklassige Videos zu seinen Stücken gedreht. Der melancholische Skateboarder mit den blutunterlaufenen Augen in Open Eye Signal, die durchgedrehte Party-Furie in Collider – Inspiration wird einfach weitergereicht, von einem Medium ins nächste. Das geht scheinbar wie von selbst, wenn man sich regelmässig mit Brian Eno zum Tee trifft und seine ersten Synthies vom Preisgeld gewonnener Klavierwettbewerbe bezahlt hat. Ein Hoch also auf das Royal College of Music, und ein Prosit dem gediegenen Elternhaus, das dem kleinen Genie offenbar frühzeitig, aber mit der gebotenen Zurückhaltung applaudiert hat. England’s dreaming!

Außerdem:

Flying Lotus – BBC Essential Mix

Schneider TM & Kpt Michigan – A Light 3000

Atoms for Peace – Default (durchgeknallter Auftritt in der ‚Daily Show‘ hier)

Bryce Hackford – Another Fantasy

Hudson Mohawke – Thank You

Mount Kimbie ­– Blood and Form

Superpitcher – Even Angels (anderes, aber schönes Video hier)

François De Roubaix – La plongée

Alexandre Desplat – Sunrise on Lake Pontchartrain

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OFFICE CHART SEPTEMBER / OKTOBER

Was wir diesen Monat im Büro hören

Crimson _ Red
Prefab Sprout – Crimson / Red

Es gab viel zu hören in den achtziger Jahren, und das Beste davon wollte man auch live erleben. Dafür hatte sich in der Schule wie von selbst eine entsprechende Gruppe gebildet, fast ausschliesslich zu dem Zweck, sich gemeinsam bei den angesagtesten New Wave Konzerten einzufinden, die in München stets an den gleichen, berüchtigten Orten wie der Alabamahalle, der Theaterfabrik oder dem Schwabingerbräu stattfanden. Ziel war einerseits die Huldigung der jeweiligen Band, zum anderen wollte die kompromisslose Musikbegeisterung ganz allgemein mit einem ordentlichen Bier- und Euphorie-Koma unterfüttert werden.
Eine zweite Gruppe spitzte auf dem Schulhof lediglich die Ohren, um mitzukriegen, wohin es denn diesmal gehen solle, sie stand unter dem Verdacht, sich auf den Konzerten nur einzufinden, um einmal kurz und kennerhaft herüberzugrüßen. Das Prefab Sprout Konzert war da der Testfall und Knackpunkt: An den langen Gesichtern und verwirrten Mienen bei Paddy McAloons fragilen Pop-Juwelen konnte man erkennen, wer sich vorher nicht schlau gemacht und somit verpasst hatte, dass es diesmal nicht um brachialen Postpunk ging. Darüber vergassen sie auch das lässige Grüßen, was dann ausnahmsweise die Gegenseite übernahm: Prost, ihr Pfeifen! Was aus der Spreu geworden ist, weiß ich nicht, dem Weizen geht es ganz gut, soweit er überlebt hat. Wie McAloon, der uns mit „Crimson / Red“ ein weiteres, zum Heulen schönes Album schenkt. Ein albernes Video zur großartigen Single gibt’s hier.

Außerdem:

Darkstar – A Day’s Pay for a Day’s Work

Grizzly Bear – Gun-Shy

These New Puritans – Organ Eternal

Trentemœller – Miss You

Underworld – Stagger (entspannte Radio-Live-Session hier)

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OFFICE CHART AUGUST

Was wir diesen Monat im Büro hören

Kes (Original Soundtrack Music)

John Cameron – Kes Original Soundtrack

Im Jahre 1975 betritt in einem Pariser Vorort ein zehnjähriger Junge zum ersten Mal die örtliche Leihbücherei. Er fragt nach einem Buch über die Aufzucht von Greifvögeln, aber es gibt keines. Tagelang war ihm der Film „Kes“ von Kenneth Loach nicht mehr aus dem Kopf gegangen, in dem ein anderer Junge aus dem tristen englischen Norden mit der Liebe zu einem kleinen Falken die niederschmetternde Stumpfheit seiner Umwelt zu überwinden versucht, was diese grausam zu verhindern weiß. Jahrzehnte später gehört der Film immer noch zu meiner ewigen Bestenliste, obwohl ich ihn nie wieder gesehen habe, und ebenso lange ist mir die Erinnerung an diese gehauchte Querflöte, die wie ein vertrautes Parfüm über der Handlung schwebt, nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Ich hätte sie leicht wiederfinden können. Sie war, wie so vieles heutzutage, nur zwei Klicks entfernt.

Außerdem:

The Field – Over the Ice (Live)

Daft Punk – Doin’ it right (feat. Panda Bear)

Nick Cave and the Bad Seeds – Jubilee Street

Boards of Canada – Cold Earth

Erik Truffaz Quartet – A Better Heart (feat. Anna Aaron)

Thom Yorke, John Matthias, Trinity College of Music String Ensemble – Cortical Songs (Neuron Trigger Mx)

Kammerflimmer Kollektief – Hausen

Lorn – Bretagne

PeterLicht – An meine Freunde vom leidenden Leben

Prefab Sprout – Last of the Great Romantics

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